Wie arbeitet das Bundesverfassungsgericht? Wie sieht der Alltag von Landtagsabgeordneten aus? Was macht ein Politikwissenschaftler? Vor welchen Herausforderungen steht die politische Bildung? Antworten auf diese und viele weitere Fragen fanden wir Schülerinnen aus der K1 in der Projektwoche.
Zunächst gab uns Frau Shoppmeyer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, einen Einblick in ihre Arbeit. Wir erfuhren, wie das Bundesverfassungsgericht organisiert ist, wie es arbeitet, wie Verfahren ablaufen und warum man sein Fahrrad vor dem gut gesicherten Gebäude nicht abschließen muss. Besonders interessant war, wie sie ihre eigene Rolle am Bundesverfassungsgericht veranschaulichte und wie sie z.B. mit Eilverfahren umgeht. Insgesamt bekamen wir in den drei Stunden einen sehr guten Einblick über das Innenleben des einzigen Verfassungsorgans mit Sitz außerhalb Berlins.
Unser nächster Programmpunkt führte uns in das Freiburger Rathaus. Dort empfing uns Herr Daniel in der Geschäftsstelle der Grünen Fraktion. Er erklärte uns die Aufgaben des Gemeinderats und die Arbeitsweise der Fraktionen. Dabei erfuhren wir, wie Sitzungen ablaufen, wie Entscheidungen vorbereitet werden und auch wie sein eigener Alltag in der Geschäftsstelle aussieht. Der Besuch half uns, die Kommunalpolitik anhand praktischer Beispiele konkreter nachzuvollziehen. Das gilt u.a. für das Thema Bauen und Wohnen, mit dem Herr Daniel sich beschäftigt. Er erläuterte uns die aktuellen Herausforderungen für die Stadtentwicklung in Freiburg sowie mögliche Lösungsansätze.
Mit diesem kommunalpolitischen Wissen ausgestattet nutzten einige von uns die Möglichkeit, in einem Online-Interview dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer Fragen zu seiner Tätigkeit, seinen politischen Positionen und den Herausforderungen seines Berufs zu stellen. Dabei sprach er über den Einfluss von Bürokratie, die Rolle der Medien sowie über aktuelle politische Themen. Besonders positiv fiel uns auf, dass er unsere Fragen offen, locker und auf Augenhöhe beantwortete. Dadurch erhielten wir einen weiteren interessanten Einblick in die Kommunalpolitik und können nun politische Entscheidungsprozesse sowie die Arbeitsweise eines Oberbürgermeisters besser nachvollziehen.
Von der Stadt- in die Landespolitik: Bei unserem Besuch im Landtag von Baden-Württemberg in Stuttgart erlebte den politischen Alltag und die Arbeit des Landesparlaments. Nach einer kurzen Einführung in die Aufgaben und die Arbeitsweise des Landtags konnten wir eine Plenardebatte live miterleben. Dabei ging es u.a. um die aktuellen Turbulenzen um das Landesmedienzentrum, aber auch um den „Zweiten Staatsvertrag zur Änderung des Glücksspielstaatsvertrags 2021“. Anschließend unterhielten wir uns mit drei Abgeordneten verschiedener Fraktionen: Nadyne Saint-Cast von den Grünen, Viviane Sigg von der SPD und Martin Rothweiler von der AfD. Auch ihnen stellten wir Fragen zu ihrem Weg in die Politik, ihren Arbeitsalltag und ihre persönlichen politischen Vorstellungen. Dabei überraschte es nicht, dass sich Regierungs- und Oppositionsparteien recht deutlich unterschieden, was wir bereits in der zum Teil emotional geführten Debatte erleben konnten.
Zurück in Freiburg besuchten wir mehrere Politikwissenschaftler. So erhielten wir im Arnold-Bergstraesser-Institut spannende Einblicke in die Arbeit eines sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts und den Alltag von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Nach einer Begrüßung durch den Geschäftsführer Dr. Martin Adelmann erfuhren wir mehr über die Aufgaben des Instituts. Das ABI konzentriert sich auf den Globalen Süden. Ein großer Teil der Forschung findet direkt vor Ort statt. Die Ergebnisse werden unter anderem in Fachmagazinen veröffentlicht und fließen in Lehre und wissenschaftliche Beratung ein. Anschließend stellte uns der Postdoktorand Edwin Mutyenyoka aus Simbabwe das Forschungsprojekt „The Political Lives of Migrants: Perspectives from Africa (PolMig)“ vor. Ziel des Projekts ist es, besser zu verstehen, wie Migrantinnen und Migranten in Afrika Politik erleben und selbst politisch handeln. Dafür werden so genannte Political Diaries und kreative Methoden wie Theaterworkshops eingesetzt. In einer Fragerunde erfuhren wir mehr über den Forschungsalltag und die Herausforderungen an wissenschaftliche Arbeit. Außerdem wurde deutlich, dass der Großteil der Migration innerhalb Afrikas stattfindet und nicht, wie häufig angenommen, nach Europa.
Im Seminar für Wissenschaftliche Politik der Universität Freiburg lernten wir den Politologen Dr. Marcus Obrecht kennen, der zugleich Studiengangskoordinator für Angewandte Politikwissenschaft ist. Im Gespräch berichtete er von seinen Erfahrungen an der Universität und stellte uns den Studiengang der angewandten Politikwissenschaft näher vor. Dabei erhielten wir hilfreiche Informationen über die Inhalte und die theoretischen Grundlagen des Studiums. Außerdem konnten wir Dr. Obrecht all unsere Fragen rund um den Studiengang stellen, von den Studieninhalten über den Ablauf bis hin zu den späteren Berufsmöglichkeiten. Der Besuch bot uns eine gute Gelegenheit, Universität und Studium das Studienfach aus erster Hand kennenzulernen und einen Eindruck vom Studienalltag zu gewinnen.
Ein weiterer Besuch führte uns in das Konfuzius-Institut, mit dem das MZ Angell die Chinesisch-AG und Studienreisen organisiert. Einige Seminarkurse nutzen bereits die Mediathek und kulturelle Angebote des Instituts. Auch hier konnten wir viel über ein An-Institut der Universität lernen, das den internationalen, konkret den deutsch-chinesischen Austausch fördert. Mit Bernhard Koch und Richard Seelig standen uns zwei Sinologen zur Verfügung, mit denen wir über die Ziele und Angebote des Instituts und über ihre Einschätzungen zu Kontroversen rund um das Thema China sprachen.
Den Abschluss bildete ein Treffen mit Prof. Dr. Michael Wehner in der Landeszentrale für politische Bildung. Wir kamen über die Probleme und Herausforderungen ins Gespräch, vor denen die politische Bildung und damit auch die lpb steht. Gemeinsam tauschten wir uns darüber aus, welche Rolle politische Bildung bei der Stärkung der Demokratie einnehmen kann und wie mit wachsendem Extremismus umgegangen werden sollte. Dabei ging es auch darum, wie junge Menschen noch erreicht und für politische Themen sensibilisiert werden können. In einem sehr offenen Gespräch konnten wir unsere eigenen Erfahrungen und Meinungen einbringen. Es ging auch hier nicht nur um ein Kennenlernen der Institution, sondern auch darum, deutlich zu machen, dass politische Bildung von gegenseitigem Austausch und neuen Anregungen lebt.
Die Projektwoche bot uns die Möglichkeit, Politik und Politikwissenschaft aus einer ganz neuen Perspektive kennenzulernen. Besonders wertvoll war der direkte Austausch mit Menschen, die in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig sind und ihre Erfahrungen mit uns teilten. Dadurch konnten wir viele neue Eindrücke sammeln, eigene Vorstellungen hinterfragen und einen realistischeren Blick für politische Arbeit, Wissenschaft und gesellschaftliches Engagement gewinnen. Die abwechslungsreichen Begegnungen machten die Woche zu einer interessanten und lehrreichen Erfahrung, die weit über den Unterricht hinausging. Danke an alle Gesprächspartner/innen, die sich für uns und unsere Fragen Zeit nahmen.