Bei der jüngsten Politikstunde der Politik‑AG von Dr. Michael Walter berichtete Kunstlehrer Manuel Frattini von seinen Eindrücken aus einem Land voller Kontraste.
Sichtbare Gegensätze prägen den Alltag: historische Orte wie die Burg von Osaka stehen neben moderner Hochhaus‑Architektur, Tokio war lange Zeit die größte Stadt der Welt, und mit dem Shinkansen startete dort der erste Hochgeschwindigkeitszug der Welt. Eindrücklich schilderte Frattini, der das Land seit seinem Studium dort immer wieder bereist, die japanische Gartenkultur und Ästhetik: Sorgfältig gepflegte, aber bewusst „natürlich“ wirkende Anlagen, Bonsai und Steingärten – getragen vom philosophischen Konzept der „Leere“, das in Gestaltung und Wahrnehmung Freiräume eröffnet.
Auch Sprache, Schrift und Religion kamen zur Sprache. Die Vielfalt der Schriftsysteme ist für Lernende eine Herausforderung; vieles wurde mit der Einführung des Buddhismus aus China übernommen. In der Nara‑Zeit (8. Jahrhundert) gelangten chinesische Schriftzeichen nach Japan, während der ältere Shintoismus parallel lebendig blieb. Sumo‑Ringen etwa hat seine Wurzeln im Shintoismus.
Im Alltag zeigt sich Japans Naturverbundenheit - nicht zuletzt in der Küche: Traditionell wird möglichst wenig verarbeitet, die Qualität der Zutaten steht im Mittelpunkt. Gleichzeitig prägt japanische Popkultur globale Trends – vom Matcha‑Boom über Manga und das Geschmacksprinzip Umami bis hin zu Pokémon. Vielleicht mit ein Grund für die starke Zunahme des Tourismus, wobei sich wie so oft, der Andrang stark auf wenige Hotspots konzentriert, was Overtourism befördert. Im
Gespräch mit den Schüler*innen ging es zudem um das Japan‑Bild von Europa: Auch auf japanischer Seite wirken Stereotype, Wahrnehmungen sind wechselseitig geprägt. Praktische Reisetipps durften nicht fehlen: Wer abseits bekannter Routen plant, außerhalb der Hauptsaison reist, regionale Schwerpunkte setzt und offen für Alltagsbeobachtungen ist, entdeckt Facetten jenseits der üblichen Postkartenmotive. Frattinis Vortrag machte deutlich, wie vielfältig und vielschichtig Japan ist – und wie lohnend ein zweiter Blick hinter die vertrauten Klischees sein kann.